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Burn-Out-Syndrom

Mit Burn-Out-Syndrom bezeichnet man einen andauernden, pathologischen Zustand der völligen Erschöpfung.

 

Hier erhalten Sie eine Zusammenfassung der wesentlichen Informationen zum Burn-Out-Syndrom.

 

  • Symptome des Burn-Out-Syndroms
  • Risikogruppen
  • Ursachen
  • Verlauf des Burn-Out-Syndroms – Phasenmodell
  • Vorsorge und Behandlungsmöglichkeiten
  • Präventivmassnahmen in Organisationen

 

Symptomatik

Heutzutage ist eine Vielzahl von Symptomen bekannt, die auf das Burn-Out-Syndrom hinweisen können. Neben der totalen Erschöpfung und einem Gefühl des „Ausgebranntseins“ können auch weitere körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magenkrämpfe, Schlafstörungen, Störungen der Sexualfunktion und andere körperliche Dysfunktionen auftreten. Experten kennen mittlerweile weit über 100 Symptome des Burn-Out-Syndroms. Häufig werden für die auftretenden Symptome jedoch keine organischen Ursachen gefunden.

Auf der Psychischen Ebene gehen mit dem Burn-Out-Syndrom häufig Schuldgefühle, Ängste, Versagensgefühle, Enttäuschung, Verzweiflung und Depression – manchmal auch in Folge von gegen sich selbst gerichteter Aggression – einher. In einigen Fällen kommt es auch zu Schuldzuweisungen und Aggressionen gegenüber anderen.

Am Arbeitsplatz entstehen oft Gefühle und Verhaltensweisen von Desillusionierung, Versagen, Entmutigung, Widerwillen, ständiges „auf die Uhr sehen“, Gleichgültigkeit oder Schuldgefühle, inneres Aufbegehren gegen die Tätigkeit, Fluchtphantasien und Tagträume.

 

Risikogruppen

Früher ging man davon aus, dass hohe Arbeitsbelastung insbesondere Menschen in helfenden Berufen, wie z.B. Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher, etc. ausbrennen lässt.

Inzwischen ist Burn-Out in nahezu allen Berufsgruppen anzutreffen. Daher lässt sich die Risikogruppe eher anhand von bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen bestimmen, welche eine Prädisposition für Burn-Out erkennen lassen. Hierzu gehören unter anderem

  • Der Perfektionismus

Perfektionisten setzen sich auf nahezu zwanghafte Weise sehr hohe Ziele, die häufig nicht allein bzw. selbst erreichbar sind. Dieses führt häufig zu enttäuschten Erwartungen und zu einem noch weiter gesteigerten Arbeitspensum. Die betreffende Person „vergisst sich selbst“ und treibt Raubbau mit ihren Ressourcen. Wenn diese allmählich zur Neige gehen erfolgt ein regelrechtes Aufbäumen und eine weitere Steigerung des Arbeitspensums bis hin zum Burn-Out.

  • Das Helfersyndrom

Menschen mit Helfersyndrom beziehen ihr Selbstwertgefühl über den Vorgang des Helfens von Anderen. Diese scheinbare Aufopferung ist im wahrsten Sinne eine traurige Selbstaufopferung, da sie ihre eigenen Bedürfnisse über die Hilfe für Andere verdrängen. Dieses führt mit der Zeit zu einem innerseelischen Konflikt und einem Zustand der inneren Leere und Kraftlosigkeit. Nach anfänglich loderndem Brennen folgt der Zustand des „Ausgebranntseins“.

  • Das „nicht Nein sagen können“

Menschen, die nicht „Nein“ sagen können, weisen häufig eine mangelnde Konfliktfähigkeit auf. Sie können keine Grenzen setzen, sind oft harmoniesüchtig und möchten es allen Recht machen. Solche Menschen werden oft ausgenutzt bzw. aufgrund der mangelnden Grenzen förmlich energetisch „ausgesaugt“. Am Ende der Spirale steht häufig der Burn-Out.

  • Das geringe Selbstwertgefühl

kann neben dem Helfen oder nicht „Nein“ sagen können auch auf andere Arten zum Burn-Out führen, z. B. in dem man den Wert seiner Arbeit oder seines Könnens unterschätzt und somit in eine immer weiter führende Spirale des „leisten Müssens“ verfällt.

Im gegenteiligen Aspekt kann es auch zur Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit und somit zu einer Art „blindem Ehrgeiz“ kommen. Über die Leistung werden Defizite oder Enttäuschungen im Gefühlsbereich kompensiert, wodurch ein gesundes Empfinden der eigenen Bedürfnisse und Grenzen unterbunden ist. Am Ende steht leider oft der Burn-Out.

 

Ursachen

Bezüglich der Entstehung von Burn-Out gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Diese sind entweder persönlichkeitszentrierter Natur oder gründen sich auf der Sozial-, Arbeits- und Organisationspsychologie.

Die am häufigsten genannten Faktoren, welche die Entstehung von Burn-Out begünstigen, sind ein Mangel an innerer oder äußerer Autonomie, Rollenkonflikte, unrealistische Erwartungen, zu starre hierarchische Strukturen, Routinetätigkeiten, Über- oder Unterforderung, unzureichende Unterstützung durch Vorgesetzte, Beziehungskonflikte, hohe Arbeitsbelastung, schlechtes Betriebsklima, wachsende Verantwortung und Sinnleere.

 

Verlauf des Burn-Out-Syndroms – Phasenmodell

Generell kann man sagen, dass Burn-Out nicht von heute auf morgen entsteht. Vielmehr handelt es sich um einen oft jahrelangen und schleichenden Prozess. Daher ist es besonders wichtig, auf etwaige „Fühwarnzeichen“ zu achten.

In der Fachliteratur existieren verschiedene Phasenmodelle des Burn-Out-Syndroms. In der Praxis finden sich die folgenden Phasen in unterschiedlicher Ausprägung in nahezu jedem Fall von Burn-Out:

1. Idealistische Begeisterung

Man brennt für eine Idee, Sache oder Aufgabe, entwickelt Enthusiasmus, Ideenreichtum und Hyperaktivität. Es erfolgt eine totale Identifizierung mit dem Vorhaben, man entwickelt ein Gefühl der Unentbehrlichkeit, das Gefühl, nie Zeit zu haben und verdrängt sowohl seine eigenen Bedürfnisse wie auch etwaige Misserfolge.

2. Stagnation

Man beginnt zu erkennen, dass die Zielvorstellung so nicht zu erreichen ist. Daraus resultiert eine Desillusionierung. Nach kurzem Aufbäumen erfolgt in der Regel eine Stagnation. Die Folge ist oft Dienst nach Vorschrift. Kompensatorische Interessen und auch Belange des Arbeitsentgeltes, des beruflichen Aufstiegs oder der Arbeitszeit treten in den Vordergrund.

3. Frustration

Häufig mischen sich ein Gefühl der Machtlosigkeit bezüglich der Aufgaben, die man sich vorgenommen hat mit der Frage nach dem Wert und dem Sinn des eigenen Tun und Handelns. Berufliche und persönliche Lebensziele werden in Frage gestellt. In manchen Fällen treten auch Existenzängste auf.

4. Isolation und Rückzug

Die Gedanken kreisen nunmehr nur noch um die Aufgabenstellung, welche jedoch als Belastung empfunden wird. Der Burn-Out-Betroffene vernachlässigt seine Familie, Freunde und seine persönlichen Interessen. Er fühlt sich als „Roboter“ oder als „nur noch funktionierende Maschine“ und flüchtet sich kurzfristig in Ersatzbefriedigungen wie in den überhöhten Genuss von Kaffee, Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten, Sex oder Drogen.

5. Apathie und Hoffnungslosigkeit

Aufgrund der existenziellen Notwendigkeit der beruflichen Tätigkeit entsteht Apathie, die einen natürlichen Abwehrmechanismus der Frustration darstellt. In vielen Fällen überwiegt jedoch das Gefühl der inneren Leere und der Hoffnungslosigkeit, da auch der „Dienst nach Vorschrift“ zu schwer fällt. Es erfolgt eine äußere oder innere Vereinsamung, die häufig von einem Gefühl des „Abgestorbenseins“ begleitet wird.

6. Depression – Burn-Out

Man fühlt sich kraftlos und unfähig, etwas an seiner Situation zu ändern. Selbst die kleinsten Handlungen fallen unendlich schwer. Man möchte nur noch fliehen oder schlafen. Durch frühmorgentliches Erwachen mit anschließendem Morgentief wird der erholsame REM-Schlaf verhindert. Es kann zu körperlicher Verwahrlosung oder zu Suizidgedanken kommen. Der Zustand der Verzweiflung und Ausweglosigkeit erreicht ein Höchstmaß.

7. Intervention (Fallspezifisch)

Es erfolgt eine Behandlung des Burn-Out-Syndroms. Bei Burn-Out-Syndrom ist in fortgeschrittenen Stadien eine psychotherapeutische Behandlung indiziert, die idealerweise von Methoden, welche die Selbstheilungskräfte stärken und den körpereigenen Energiehaushalt stabilisieren und harmonisieren begleitet wird. Eine der wirkungsvollsten Methoden stellt in dieser Hinsicht Yoga dar.

 

Vorsorge und Behandlungsmöglichkeiten

Burn-Out kann prinzipiell jeden treffen. In der Prävention von Burn-Out ist es zunächst hilfreich, sich seine unterschiedlichen Rollen bewusst zu machen, die man im beruflichen wie im privaten Leben einnimmt, sowie auch die diesen Rollen entsprechenden Ziele und Wertevorstellungen. Bei der persönlichen Zeitplanung ist es besonders wichtig, sich selbst Zeit zum Ausruhen und Regenerieren sowie für persönliche Interessen und Hobbys zu geben. Auch das Praktizieren von Entspannungsmethoden wie z.B. Autogenes Training oder Wege der Meditation, Yoga, etc. wirken sehr ausgleichend und harmonisierend.

Grundlegend wichtige Faktoren in der Burn-out-Prävention sind ausreichender und guter Schlaf, gesunde Ernährung, frische Luft und angemessene Bewegung. Genussmittel wie Alkohol, Kaffe, und Nikotin sollten stark reduziert und nach Möglichkeit ganz vermieden werden.

Die Behandlung von Burn-Out erfolgt in der Regel individuell. Burn-Out vergeht nicht von selbst, da schließlich bestimmte Verhaltensmuster den Betroffenen in den Burn-Out geführt haben. Aus diesem Grund ist eine psychotherapeutische Behandlung – in erster Linie mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen – indiziert. Begleitend sollten auch, wie bereits erwähnt, Entspannungsverfahren bzw. Verfahren zur Stärkung der Selbstheilungskräfte und zur Stabilisierung und Harmonisierung des eigenen Energiehaushaltes erlernt werden. Hierfür bieten sich z.B. Autogenes Training und insbesondere Yoga an.

 

Präventivmaßnahmen in Organisationen

Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn gesundheitsrelevante und ethische Themen, Verhaltensweisen und Umgangsformen in einem Organisations- oder Unternehmens-Leitbild verankert werden. Besonders sinnvoll ist es, wenn daraus abgeleitete Präventionsmaßnahmen in Führungs- und Controlling-Instrumenten wie beispielsweise einer Balanced Score Card festgelegt und nachverfolgt werden, da hierdurch das Gesundheitsbewusstsein in der ganzen Organisation gefördert wird.

Auch in der im Rahmen der Betriebssicherheitsverordnung erforderlichen Arbeitsplatz-Gefährdungsbeurteilung können Vorgesetzte und Mitarbeiter bezüglich des Themas Burn-Out sensibilisiert werden. Demnach sollten den einzelnen Mitarbeitern bei der Gestaltung von Arbeits- und Einsatzplänen nach Möglichkeit an deren Fähigkeiten angepasste, begrenzte und realistische Aufgaben zugeteilt werden.

Zur Früherkennung ist es hilfreich, wenn in regelmäßig stattfindenden Mitarbeitergesprächen die Themen Arbeitsbelastung, Arbeitsumfeld, Betriebsklima sowie persönliche Anspruchs- und Erwartungshaltungen des betreffenden Mitarbeiters behandelt werden.

In Abteilungen, Gruppen und Teams kann in regelmäßigen Abständen Raum für Reflexion oder Supervision gegeben werden. Auch Seminare und Workshops zur Burn-Out-Prävention, Teambuilding, Konfliktmanagement, Zeit und Selbstmanagement oder Stressmanagement können hierbei unterstützen oder direkt hierzu genutzt werden. Der hierfür aufgewendete Zeiteinsatz amortisiert sich in der Regel über eine höhere Effizienz der Organisationseinheit und in manchen Fällen auch über einen niedrigeren Krankenstand.

Im Zuge einer angemessenen Wertschätzung des „Human Capital“ es unter anderem sinnvoll, wenn eine Organisation oder ein Unternehmen pro-aktiv ein Work-Life-Balance-Programm betreibt. Mehr und mehr Unternehmen bieten mittlerweile ihren Mitarbeitern Ausgleichs- und Entspannungsprogramme – wie z.B. Sport oder Entspannung und Yoga am Arbeitsplatz - vor, während und nach der Arbeitszeit in Verbindung mit flexiblen Arbeitszeitmodellen an.